Garten, Cornwall WUNDERGÄRTEN

Eine Ananas, gezogen in England, ist eines der Naturwunder, denen Sir Tim Smit seinen Ritterschlag verdankt. Die exotische Frucht gedeiht im riesigen Nutzgarten der Lost Gardens of Heligan. In diesem werden heute mit den Anbautechniken der viktorianischen Zeit über 300 Obst- und Gemüsesorten angebaut, was ihn zu einem Freilichtmuseum des Gartenbaus im 19. Jahrhundert macht. Das Geheimnis der Ananas beruht auf Pferdemist, dieser beheizt die gemauerten Ananaszuchtgräben. Diese Erfindung aus georgianischer Zeit ist einzig in dieser, wie das erste Bild der Galerie beweist, bestens funktionierenden Anlage erhalten geblieben. Die Zeit überdauert hat auch der Dschungel, der vor mehr als 150 in einem 300 m langen, tief eingeschnittenen Tal angelegt wurde. Im viktorianischen England erwachte damals das Interesse an subtropischen Pflanzen. Im Tal wurden vier durch einen Bach verbundene Teiche angelegt, an den Hängen schlängelnde Wege. So kann man im Dschungel durch üppig wuchernde Haine von Bambus, Gunneras, Agaven, Baumfarn, Hanfpalmen und Rhododendron spazieren.
An den Dschungel anschliessend kann das verlorene Tal begangen werden. Eichen- und Buchenalleen sowie Kastanienhaine laden zum Müssiggang ein. Die alten Holzkohlenmeiler erzählen von der früheren Nutzung. Einige davon werden heute zur schonenden Holzwirtschaft wieder betrieben. Seinerseits geht das verlorene Tal in das weite Gelände von Heligan über, das heute extensiv und in Zusammenarbeit mit den benachbarten Landwirten weidewirtschaftlich genutzt wird. Die Weiden sind wie in England üblich mit Hecken und Steinmauern umfriedet. Als das verlorene Tal wieder zu einem Landschaftspark umgestaltet wurde, mussten zahlreiche Bäume gefällt und entfernt werden. Um den Boden nicht zu sehr aufzureissen, wurden dafür Kaltblutpferde eingesetzt. Die Teiche mussten aber mit einem Bagger entschlammt werden. In den restaurierten Teichen wurden Stichlinge, Rotfedern und Karpfen ausgesetzt. Es dauerte nicht lange, bis sich Eisvögel, Teichhühner, Reiher, Kormorane, Kanada-Gänse und Stockenten ansiedelten und Libellen, Schlankjungfern und Schnaken brüteten. Von einer Hütte aus können die Besucher von Heligan dank ferngesteuerten Kameras heimische Wildtiere und Brutvögel beobachten. An Schmetterlingen konnten Zitronenfalter, Faulbaum-Bläulinge, Kleiner Fuchs, Mauerfuchs, Waldbrettspiel, Distelfalter, Rotbraunes Ochsenauge, Grosses Ochsenauge, Kohlweissling, Rapsweissling, Tagpfauenauge und Brauner Waldvogel beobachtet werden. Im verlorenen Tal heimisch wurden auch sechs Arten von Fledermäusen. Die Gärten von Heligan sind nicht nur Pflanzen sondern auch der zugehörigen Fauna gewidmet und ermöglichen es, dem Besucher beide hautnah zu erleben, ohne sie zu stören.


Geschichte von Heligan
 

Die Gärten von Heligan wurden von der kornischen Familie Tremayne in der Zeitspanne von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt. Sie gehören heute noch zum Gut der Familie. Vor dem ersten Weltkrieg kümmerten sich 22 Gärtner um die Pflege der Anlagen von Heligan, bereits 1916 waren 16 der Gärtner im Krieg gefallen. In den 1920-Jahren übersiedelte Jack Tremayne nach Italien, seine Liebe zum mediterranen Land inspierte ihn einst zur Erschaffung der italienischen Gartenanlagen, und verpachtete Heligan. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gut von der amerikanischen Armee als Quartier genutzt, die Gärten wurden vernachlässigt und wuchsen zu. Nachdem Jack Tremayne kinderlos verstarb, wurde Heligan von verschiedenen Mitgliedern der weitverzweigten Tremayne-Familie geerbt. Als Tim Smit auf seinem Streifzug durch seine Wahlheimat in einer umwucherten, edlen Walze einen Hinweis auf Heligan entdeckte und Nachforschungen anstellte, lernte er in John Willis einen dieser Erben kennen. Mit befreundeten Enthusiasten pachtete Tim Smit Heligan und begann mit diesen und der Hilfe von internationalen Spezialisten das mehrjährige und filmisch dokumentierte Unterfangen der Restoration der Gärten von Heligan. Diese erstrahlen heute nicht nur in altem Glanz, sondern sind öffentlich zugänglich und bieten darüber hinaus viele Arbeitsplätze in der Region.