Eating Design MARIJE VOGELZANG

Wer eine neue Disziplin erschafft, kann sie selbst benennen. Die Komplexität der kreativen Tätigkeit von Marije Vogelzang  lässt die oft interessierte Fragen aufwerfende Bezeichnung Eating ­Designer kaum erahnen. Ja, sie gestaltet Lebensmittel, nein, nicht für die ­Industrie, sondern für künstlerische Inter­ventionen, deren Funktion auch immer das Verabreichen von Nahrung ist. Sie erschafft dabei spezifische, Intellekt und Appetit anregende Wunderwelten, die sich mit der Geschichte von Produkten, Örtlichkeiten und Menschen befassen und diese alle einander näherbringen. Ihre Arbeit ist ebenso intellektuell wie praktisch und gleicht Experimenten, bei denen auch der Verlauf, die nicht voraussehbare Interaktion und ­Reaktion Teil des Forschungsgegenstands ist. Ihr Feld ist daher endlos weit, und sie hat die von ihr mitgegründeten Concept Restaurants Proef in Amsterdam und Picknick in Rotterdam in die Hände ihrer Compagnions gegeben, um sich den selbst initiierten Projekten und denen, die an sie herangetragen werden, widmen zu können. Die Bandbreite dieser Projekte reicht von Essen nach Farben und Wirkung über Essen einzig aus über Lebensmittelmarken aus dem Krieg zur Verfügung Stehendem bis zu gemeinsamem Essen nach Trommelschlag. Letzteres hört sich wie ein Musikstück an, die Essenden wurden zum Orchester. Marije Vogelzang: «Es war lustig, wie jedes Mal, wenn die Trommel zum nächsten Happen schlug, sich ein nervös-schnelles Kauen hörbar machte, von allen, die noch nicht fertig waren. Es war wie ein Stakkato!» Die Essenden nannten es eine ganz neue Erfahrung sowohl als Solisten, ein viel bewussteres Kauen und Wahrnehmen des Essens, als auch als Orchestermitglieder, die genau aufeinander achten. Auf die Persönlichkeit und nicht auf Kleidung und andere Statussymbole achtenden Zugang zueinander fanden durch den Vorhang die Teilnehmer des «Sharing Lunch»-Projekts.

Buchtipp: EAT (more) LOVE dokumentiert die konzeptuelle Tätigkeit der letzten zehn Jahre von Eating Designerin Marije Vogelzang.