Zuoz «Ich denke nicht, ich schaue.»

Spricht man heutzutage von einem intelligenten Haus, meint man gemeinhin eines mit allem erdenklichen technischen Schnickschnack. Deklariertes Ziel solcher Bauten ist die «totale Vernetzung» des Hauses. Ob diese Wohnform so komfortabel sei, wie von den Trendmachern propagiert wird, sei dahingestellt. Intelligent ist auch dieses Haus – auf ganz ­natürliche Weise. «Es weiss, wo es schön ist», sagt der Bündner Architekt Men Duri Arquint, der diesen ungewöhnlichen, aber gleichzeitig unaufdringlichen Bau entworfen hat. Vom oberen Gästezimmer aus scheint es fast, als würde man über dem Oberengadiner Dorf Zuoz schweben. «Mir war es wichtig, dass der Bau auf den ersten Blick nicht auffällt und sich in den Kontext einpasst», erklärt er bei der Hausbesichtigung. Die Vorschrift des Giebeldachs fuchste ihn trotzdem, an den lokalen Gesetzen ist leider nicht zu rütteln. Raffiniert hat er im Innern dieser ästhetisch einengenden Richtlinie ein Schnippchen geschlagen: Im räumlichen Zentrum des Hauses, dem Wohnzimmer, das sich über die gesamte Gebäudelänge erstreckt, hat er zwei überhohe Licht­kegel platziert. Diese fassen das dazwischen liegende Gästezimmervolumen ein und gliedern den Hauptraum in drei Bereiche. Das Ergebnis hat sakralen Charakter­ – man könnte diesen Eingriff auch intelligent nennen. Dass das Haus so wenig Fensterfläche ­gegen das Tal besitzt, mag erstaunen. Nur diejenigen, die das Engadin nicht kennen. Denn Landschaft und Licht haben hier eine einzigartige Qualität, und die Leuchtkraft der Sonneneinstrahlung würde bei grossen Fenstern zu einer Dauerbenutzung der Storen führen – auch nicht der Idealfall. Hier hat man wohlweislich auf solche Extravaganzen verzichtet. Den Postkartenausblick haben die Gäste im obersten Stock, die Bewohner selber sind mit der gezielt gesetzten Grösse der Fenster im Wohnzimmer und in den unteren Schlaf- und Arbeitsräumen zufrieden: «Wir haben den ganzen Tag Sonne im Haus», bestätigt das ­Galeristenpaar einhellig.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/15 der Zeitschrift Das Ideale Heim.